ANADIPLOSIS - Das zweite Exemplar online!
Textdiagramme
Die Textanordnung als Hilfsschritt auf dem Weg zu einer richtigen Übersetzung


(1) Definition und Ziel
(2) Die fünf grundlegenden Schritte
(3) Tipps und Empfehlungen
(4) Umfassende Beispielseiten, Literaturhinweise und Links

(1) Definition und Ziel
Das Übersetzen eines lateinischen Textes ins Deutsche ist ein komplexer Vorgang, der aus zahlreichen Zwischenschritten und Einzelentscheidungen besteht, die mehr oder weniger bewusst vollzogen werden: Wo steht z.B. das übergeordnete Prädikat, das den Satz regiert? Welche Satzteile beziehen sich aufeinander? Diese Seite geht von der Annahme aus, dass einige dieser (notwendigen) Schritte und Entscheidungen durch die (typo)graphische Anordnung und Auszeichnung des Textes in diesem festgehalten werden können.
Dabei ist es hilfreich, wenn der Ausgangstext (zunächst ohne alle Formatierungen) in einem Textverabeitungsprogramm  bearbeitet werden kann. Die wichtigsten Tasten sind dann die Enter-Taste, um den Text umzubrechen und in kurze Sinnzeilen zu zerlegen (vgl. 2.1), und die Tabulator-Taste, um die Zeilen entsprechend ihrer syntaktischen Hierarchie zu ordnen (vgl. 2.2). Später kommen weitere Textauszeichnungen und Markierungen hinzu.

Ich vertrete folgende These: Ein korrekt angeordneter, eingerückter und markierter Text mit einigen Vokabelangaben am Rand ist jeder ausformulierten deutschen Übersetzung überlegen, wenn es darum geht, den (lateinischen) Ausgangstext für eine spätere Interpretation syntaktisch und stilistisch vollständig zu durchdringen.

Merke: Diese Überlegungen gelten nur für die Prosa. In der Dichtung (Poesie) folgen die Zeilen dem Metrum und können nicht verändert werden. - Rechts ein fertig strukturierte Seite aus Ciceros Rede Pro Murena (Kap. 4); ein am Computer gesetztes Textdiagramm und handschriftliche Markierungen ergänzen sich.

(2) Die fünf grundlegenden Schritte
(2.1) Zeilen umbrechen - (2.2) Hierarchisch einrücken - (2.3) Verbalformen markieren - (2.4) Weitere Feinarbeit - (2.5) Stilistik hervorheben

2.1    Zeilen umbrechen
Durch Zeilenumbrüche werden längere Sätze und Perioden in kleinere Sinnzeilen aufgeteilt. Im ersten Schritt erfolgt bei jedem Punkt und bei jeder Nebensatz-einleitenden Konjunktion (d.h. bei fast jedem Komma [z.B. vor cum / si / ut / qui / qualis usw]) ein Umbruch (Enter). Dann ist zu prüfen, ob weitere Umbrüche sinnvoll sind und der Übersicht dienen (z.B. bei parataktischen Konjunktionen wie et, vel oder aut - aut.
Ausschlaggebend für einen Umbruch ist vorrangig die grammatikalische Struktur und erst in zweiter Linie der Inhalt.
Grundregel
: Jeder Satz (egal ob Haupt- oder Nebensatz) und jede satzwertige Konstruktion (AcI / Participium coniunctum / Ablativus absolutus) bekommen eine eigene Zeile.

Tum Romulus viros ad se vocavit
et
ubi tacuerunt
orationem habuit.

2.2   
Hierarchisch einrücken
Die einzelnen Sinnzeilen (Fachausdruck: Kola) werden dann entsprechend ihrer syntaktischen Gewichtung (Hierarchie) eingerückt. Der regierende Hauptsatz steht ganz links, ein Nebensatz erster Ordnung steht auf der Höhe des 1. Tabulators, ein Nebensatz zweiter Ordnung auf der Höhe des 2. Tabulators usw. Auch abhängige und satzwertige Konstruktionen (wie z.B. ein AcI oder eine Partizipialkonstruktion) sollten eingerückt werden.

Tum Romulus viros ad se vocavit
et
ubi tacuerunt
orationem habuit.


2.3    Verbalformen markieren
Das Zentrum eines lateinischen Satzes sind die Verbalformen, vor allem die regierenden Prädikate (Verbum finitum), aber auch die Nebenhandlungen (Partizipien) und abhängigen Handlungen (Infinitive). Für diese verscheidenen Verbalformen sollten verschiedene Markierungen verwendet werden. - Bei der Art der Markierung kann man (vor allem am Computer) durchaus persönlichen Vorlieben folgen; wichtig ist, dass die einmal ausgewählte Markierungsart konsequent (!) beibehalten wird, damit sie ihre Signalwirkung beibehält.

Auf dem Papier (Ausdruck) empfehle ich folgende Unterstreichungen (mit Bleistift):
Prädikat (= Haupthandlung)           __________     durchgezogene Linie
Partizip (= Nebenhandlung)            - - - - - - - - -   gestrichelte Linie
Infinitiv (= abhängige Handlung)     . . . . . . . . . . . .   gepunktete Linie
nd-Formen                                                             Wellenlinie

Am Computer (Bildschrim) empfehle ich folgende Auszeichnungen:
Prädikat (= Haupthandlung)           unterstreichen (ggf. mit Fettdruck kombinieren)
Partizip (= Nebenhandlung)            andere Schriftart
Infinitiv (= anhängige Handlung)      Sperrung (also Breitdruck, ggf. den ganzen AcI markieren)

Iuppiter
pater deorum hominumque
Aeneam novam patriam quaerere
iussit.


(3) Tipps und Empfehlungen
[...]

(4) Literaturhinweise (4.1), Beispielseiten (4.2) und Links (4.3)

4.1.1 Das hier vorgestelllte Modell zur Texterschließung wird in der didaktischen Literatur unter den Stichworten "Satzstrukturbild", "Einrückverfahren" oder auch "lineares Dekodieren" verhandelt. Eine Zusammenstellung dieser Methoden kann man nachlesen in: H.-J. Glücklich, R. Nickel (Hg.), Interpretatio. Neue lateinische Textgrammatik, Freiburg 1980, S. 253-279.
4.1.2 [...]

4.2.1 Schülerbearbeitung eines Caesarkapitels (BG I 6) / pdf-download (25KB).
4.2.2 Schülerbearbeitung eines Caesarkapitels (BG I 7) / pdf-download (25KB).
4.2.3 [...]

4.3.1 Computereinsatz im Lateinunterricht. Notizen zu zwei Projekten am LGG mit weiterem Download-Material.
4.3.2 [...]